Aktuell

Neu… Als ich im März dieses Jahres erstmals ins Padastertal komme, ahne ich nicht, dass diese einzige unbewohnte Abzweigung des Wipptales Projektionsfläche für vielzählige Erwartungen und Hoffnungen ist, die die Region seit geraumer Zeit umtreiben, zu verlassen wirkt der von Steinach zwischen den Tälern von Navis und Schmirrn nach Osten verlaufende Bergeinschnitt. Ein für die Gegend nicht untypischer kalter Wind friert eine dünne Schneeschicht auf Hausmauern und Wiesen fest; bis auf das Rauschen des über die gegenüberliegende Brennerautobahn donnernden Schwerverkehrs ist nichts zu hören. An einem Straßenschranken kündigt ein Warnschild eine Baustelle an, rechterhand, den Graben hinab, verliert sich ein schmaler Bach in großzügig angelegten Verbauungen und Auffangbecken. Später erzählt man mir, als eine von vielen in den Wirtschaften wie dem Schi-Cafè oder dem Bahnhofslokal kursierenden Anekdoten, dass der ehemalige Tiroler Landeshauptmann Wendelin Weingartner das Padastertal als Rückzugsgebiet schätzte und es während seiner Amtszeit regelmäßig aufsuchte. Er war vermutlich nicht der einzige, der in dieser dicht bewaldeten Einsamkeit seinen Kopf wieder freibekam, denke ich und scheitere doch daran, es mir vorzustellen, weil wie Weingartner auch der Wald von der Bildfläche, bzw. aus dem Tal verschwunden ist. In mehr als zehn Jahren wird sich hier die größte Deponie des Brenner Basistunnelbaus befinden, um auf eine Länge von 1400 Metern und bis zu 80 Meter hoch an die 7,7 Millionen Kubikmeter Aushub zu lagern. (Aus: Ein verstecktes Drama. Das Padastertal, ein bei Steinach am Brenner abzweigendes Almtal, wird zur Aushubdeponie des Brenner Basistunnels. In: Quart # 21)

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Ausschreibung

Da in der Jury tätig, sei auf folgenden aktuell ausgeschriebenen Literaturwettbewerb hingewiesen:

LitArena Literaturpreis 2013

Alle zwei Jahre stattfindender deutschsprachiger Literaturwettbewerb der LitGes St. Pölten für AutorInnen bis 27 Jahre.

1. Preis: Euro 500.-
2. Preis: Euro 300.-
3. Preis: Euro 200.-

Einreichbedingungen:

Max. Alter: 27 Jahre. Prosa.
Einsendungen mit beliebigem Kennwort in 5-facher Ausführung + gekennzeichnete CD
in der Länge von max. 5 Seiten, 1,5 zeilig, Arial 12 pt.
Textseiten je mit diesem Kennwort versehen.
In separatem mit Kennwort versehenem Umschlag bio-biobliografische Angaben, Name und Kontaktadresse sowie E-Mail Adresse verschlossen beilegen.

Jury 2013: Karin Fleischanderl, Ralph Klever, Robert Prosser, Nils Jensen, Thomas Havlik

An:
LitGes.
c/o Thomas Havlik
Rennbahnstr. 28
3100 St. Pölten
Austria

Einsendeschluss: 01.07.13

Die Siegertexte sowie ausgewählte Beiträge werden in einer etcetera-Heftanthologie publiziert.
(Redaktion: Thomas Havlik, Künstler: Jörg Piringer und Günter Vallaster). Präsentation und Preisverleihung während des Literaturfestivals Blätterwirbel, Oktober 2013, Cinema Paradiso, Rathausplatz 15, 3100 St. Pölten.

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Lake Volta / Ghana (Südufer des westlichen Seitenarmes / Jagdfetisch der Ewe / aufragender Rest der gefluteten Landschaft)

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Neu… lasse ich Steine übers Wasser springen, in einem Ambiente wie geschaffen für August Walla, der nicht weit von hier gefilmt worden war, wie er einige der großen, weißen Steine ordnete und rote Kreuze darauf malte. Mit dem Malen, sagte der Seher des Weltallendes Walla, gebe er leblosen Dingen eine Seele und verhelfe ihnen in den Himmel. So einfach kann es sein, künstlerisches Tun zu erklären. Vielleicht ermöglicht man schreibend der Vergangenheit eine mutierte Seelendosis. … Ist die Beschäftigung mit Erde, Wachstum, Reifezeiten, ist das Traubenpressen, Lagern und Abfüllen aufgrund genauer Beobachtung und einer auf die Vergangenheit wie Zukunft gleichsam zielenden Arbeit meinem Gehen verwandt, offen für sämtliche Einfälle, Erinnerungen und Assoziationen, und dem Schreiben, das irgendwann während der zurückgelegten Wege, aufgeschnappten Gespräche und weitergesponnenen Gedanken einsetzt? Es sind zumindest Mittel, um gegen Automatismen zu kämpfen, die ein menschliches Leben gefährden können. Seit einiger Zeit trage ich, eingeklebt in ein Notizbuch, einen Tagebucheintrag von Lev Tolstoj bei mir. An den Ufern der Donau, mit Spitz im Rücken, lasse ich das Steinwerfen übers Wasser und suche stattdessen die zitierten Zeilen vom 28. Februar 1897 heraus, weil mir darin ein Bewusstsein ausgedrückt ist, welches Literatur mit Weinanbau kurzschließen kann: „Beim Staubwischen machte ich die Runde durch mein Zimmer und als ich zu meinem Sofa kam, wußte ich nicht mehr, ob ich es schon abgestaubt hatte oder nicht. Da diese Bewegung beim Staubwischen gewohnheitsmäßig und unbewusst sind, konnte ich mich nicht erinnern und fühlte auch, dass es unmöglich war. Wenn ich Staub gewischt und es vergessen, das heißt unbewußt gehandelt habe, dann ist es genau so, als wäre es nicht geschehen. Wenn jemand mich bewußt beobachtet hätte, könnte man mein Tun rekonstruieren. Wenn aber niemand es gesehen hat oder es nur unbewußt gesehen hat, wenn das ganze komplexe Leben vieler Menschen unbewußt verläuft, dann ist es, als wäre dieses Leben nicht gewesen.“ Ich sitze auf Ufersteinen, die noch mit roten Kreuzen zu bemalen sind, und denke über dieses Zitat nach, fühle mich irgendwie glücklich, weil ich überzeugt bin, dass schreibend ein Ausweg aus dem alltäglichen Koma zu erhoffen ist. (Aus: Tolstoj’sche Automatisierungsdämonen. In: Wein. Wandern. / Edition Aramo 2013)

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Inspiration durch Utopien

Die 1913 von Marshall Butcher Gardner publizierte Theorie, derzufolge der Erde eine zweite, von einer kleineren Sonne erhellte Welt innewohnt, lässt sich unter anderem mit dieser Graphik veranschaulichen. Der tief verborgene Lebensraum umfasste Gardeners Vermutung nach Kontinente, Ozeane, üppig gedeihende Pflanzen und Tiere von enormen Wuchs, sowie eine menschenähnliche Bevölkerung (die, wie ich mir denke, an der wuchernden, mit Früchten nicht geizenden Fauna ihre Freude hatte, um im selben Atemzug am ständig brennenden, starr am vermeintlichen HImmel festgemachten Sonnenkörper zu verzweifeln), für deren Erforschung er Expeditionsteilnehmer suchte. Was aus diesen Entdeckerplänen geworden, bzw. wohin diese letztlich geführt, entzieht sich meines momentanen Wissenstandes.

Recherche

Auf Gardeners Spur: Blick aus einem Seitenstollen des Brennerbasistunnels. Hinterm Licht verbirgt sich das Padastertal bei Steinach, welches mit dem Aushub des Tunnelbaues aufgeschüttet werden wird. Eine literarische Reportage zu diesem widersprüchlichen Thema erscheint in Quart #21.

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Nicht, dass ich hier einen Blog starten und meine persönliche Tagesverfassung kundgeben möchte, trotzdem: ich freu mich übers Literaturstipendium Schloss Wartholz 2013

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DAS WELTKONVOLUT

Literaturperformance von Fabian Faltin (Drums), Jörg Zemmler (Gitarre und Effekte) und Robert Prosser (Stimme).
Zugegeben, manchmal träum ich vom Moment, da wir auf der Bühne in bewährter Kompromisslosigkeit unser Bestes geben und das Publikum unerwarteterweise beginnt, die Texte mitzusingen. Im Folgenden eine freie Neudichtung einer armenischen, an die Toten gerichteten Trinkrede.

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