Steppenkauderwelsch. Poesie und Performance in Kasachstan und Kirgisistan In Kooperation mit dem Goethe Institut Almaty

… Vorm Fenster das Ufer eines scheinbar endlosen Sees, ich lese M Train von Patti Smith und stoße darin auf ihre Idee, einen Satz in Roberto Bolanos Amuleto weiterzuspinnen. Bolano schreibt vom Hecatomb, der antiken rituellen Schlachtung von einhundert Ochsen, und Smith nimmt sich vor, in Erinnerung an den verrücktesten, weisesten Detektiv unter den Dichtern ein hundertzeiliges Poem zu verfassen. Ich spiele mit dem Vorhaben, es ihr gleichzutun, hundert Zeilen für sie und für Bolano, und eine davon verschwinden zu lassen, den Satz, der mir am meisten bedeutet, in der kasachischen Steppe zu begraben als kleines Ritual meiner Reise. … Finale Reisenotizen hier

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LOVE JIHAD – Uraufführung Oktober 2013, Freies Theater Innsbruck

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Dizzy on Stage. Trance in Anthropology and Practice. Part of the Research-Project ON DIZZINESS by Ruth Anderwald and Leonhard Grond

1. Source

Travelling in Ghana in the summer of 2012, I had the opportunity to visit a demon-expulsion. The ceremony showed me an interesting form of dizziness, that of dizziness as ecstatic trance. At the beginning, it was a fairly normal Anglican church ceremony; starting Sunday morning, it continued until the evening. The ceremony took place outside a village on the Kwahu Tafu-Plateau, it was on Ghana’s eastern boarder to Togo, a country rich in animistic heritage. FULL TEXT

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Riots im Gläsernen Käfig Internationale Tagung, die 2012 – 2014 im Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich, bzw. in Wien stattfand und sich gesellschaftlich brisanten Themen widmete. Ziel war, das politische Bewusstsein der jüngeren AutorInnengeneration zu schärfen, wie auch ein Forum intellektueller Kritik zu bieten.
Konzept: Robert Prosser.

Literatur und Anarchie: Zwischen Panzern und Piraten. 2014
Literatur im Fokus der Bewegung. 2013
Literatur im Brennpunkt der Revolte. 2012

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AUFTRITTE #1 Literaturhaus Wien, 2011

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ORF-Kulturmontag / 3sat-Kulturzeit (27. / 28. Oktober 2014)
Ein Beitrag von Sophie Weilandt

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Interview
in der Presse, ein Gespräch übers Europäische Forum Alpbach: hier.

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Reportagen
Zwei in der Kulturzeitschrift Quart publizierte literarische Reportagen online nachzulesen:

Ein verstecktes Drama (Quart Nr. 21)

Versprengte Künstler (Quart Nr. 22)

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Reinhard-Priessnitz-Preis 2014

Aus der Presseausendung: Der österreichische Autor Robert Prosser erhält den mit 4.000 Euro dotierten Reinhard-Priessnitz-Preis 2014. Der Jury gehören in diesem Jahr die Autoren Gustav Ernst und Robert Schindel an. Die Preisverleihung findet am 27. Oktober 2014 um 19.00 Uhr im Literaturhaus Wien statt. Die Laudatio wird der Literaturkritiker Anton Thuswaldner halten.

Robert Prosser schafft mit Elementen des HipHop, der Wiener Avantgarde und Beat-Literatur eine eigene originelle und hochartifizielle Prosa, die in ihrer überbordenden Sprachlust, in ihrer Rasanz, Spontanität und strengen Rhythmik gleichermaßen reflektiert wie poetisch Figuren, Alltagsereignissen und den Besonderheiten heimischer und fremder Kulturen auf suggestive Weise eine unmittelbare Präsenz verleiht, so die Jury in ihrer Begründung.

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“Prosser zählt zu den welthaltigsten jüngeren Schriftstellern im deutschsprachigen Raum” ist im Falter zu lesen. Ein Artikel über vier Zugereiste und wie sie die Wiener Literaturszene mehr oder weniger prägen hier.

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Lockstoff! Literaturperformance (2009/2010)

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STIMMFLEISCH: Eine unregelmäßig auf babelsprech.org nachzulesende Rubrik zum Theoriendickicht literarischer Performanz:

“Erstaunlicherweise gelingt es der Ästhetik des Performativen ohne metaphysische oder esoterische Verweise auszukommen, obwohl Charakteristika wie die obig aufgeführten – absolutes „Da-Sein“, sinnbefreit aus und durch sich selbst existierend – eine auffallend spirituelle Tendenz besitzen, und etwa Ähnlichkeiten mit der Philosophie des Zenbuddhismus nicht von der Hand zu weisen sind, worin der Körper zwar nicht als zeichenfreies, aus Verweissystemen losgelöstes Element angesehen, ihm aber ein dem „Fleisch“ Merleau-Pontys nicht unähnlicher Wesenszug zuerkannt wird, nämlich das Potential, gegenwärtig zu handeln, sprich außerhalb der textlichen/semiotischen Kontextes…” usw. usf.

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Statement fürs Kolloquium schädelmagie = Stimmenhören? Von den Energien des gesprochenen Gedichts.

(06. Juni 2014, Poesiefestival Berlin, mit Kerstin Hensel, Ulrike Janssen, Sybille Krämer, Winfried Menninghaus. Konzeption und Diskussionsleitung: Anja Utler)

Was passiert während eines Auftritts? Mit mir, mit dem Text, mit dem Publikum? Das, was während einer Performance geschieht, ist nicht beschreibbar – ein wichtiges Element des dichterischen Schaffens erweist sich als der Sprache entzogen, jegliches Reden, Nachdenken darüber ist, wie das Betrachten von Videos und Fotos, ein unzulänglicher Versuch, die Bühnenaktion zu verstehen. Im Versuch, mich dem Phänomen „Aussprache“ zu nähern, möchte ich dennoch auf einen Film-Ausschnitt verweisen. Zu sehen sind einige Sekunden der eindrücklichsten Performance, die mir bisher untergekommen ist. Es handelt sich um eine Messe des African Faith, deren zufälliger Teilnehmer ich im Juli 2012 wurde – religiösen Hintergrund außer Acht gelassen, die Art, wie der Pastor die Gemeinde über Stunden (die Messe ging von 11 vormittags bis etwa 18 Uhr abends) in den Bann zog und dirigierte, wie alle mit jedem Takt mehr in die Ekstase glitten, per Vortrag, Gesang, Trommeln hervorgerufen, war ein Augenöffner – so, denke ich mir, müssten Literaturperformances funktionieren, als Ritual, das sämtliche Beteiligte mitreißt ins Unbekannte:

Kwaho Tafu / Ghana / July 2012 from Ro Prosser on Vimeo.

Die Messe samt Hexenaustreibung fand in einem Dorf des Kwahu Plateaus, nahe der Grenze zu Togo, statt. Trommeln wurden geschlagen und im Klatschen, im Singen fielen Menschen in Trance, wurden aus der Menge gezerrt, aus ihren Poren, Augen, Nasen flüchteten Dämonen und verkrochen sich im Wald. Auf Tänzen wie Liedern ritt der Pastor, klaubte aus der gelösten Masse von Leibern und Armen und Beinen die Ekstasen, als würden die blutbefleckten Bartfäden Christi aus den Wolken ragen und Männer, Frauen, Kinder gleich Marionetten daran hängen. Trommelrhythmen wirkten als Droge, die Messe fungierte als öffentlicher Schauprozess und der wirbelnde, Bäuche und Köpfe berührende, Hexen verjagende Pastor drückte eine unwiderstehliche Begeisterung aus.

Nicht nur ich mache was mit der Sprache, sondern lasse zu, dass Sprache von mir Besitz ergreift – nicht in Form von Glossolalie, aber Energie einspeisend wie einen Virus. Vielleicht ist die dichterische Sprache nichts anderes als eine Trommel in Westafrika, deren Potential zur Beschwörung (immer liest man davon, dass die Lyrik Rhapsodie und Magie entstammt, aber wann wird das tatsächlich in die Praxis / auf die Bühne / in das Handeln umgesetzt?) genützt werden muss. Ich habe begonnen, an längeren Performances zu arbeiten, mit (Sprach-)Musik als Startrampe, es genügt ein Schlagzeug oder Beat, um mich als Sprecher in den Rausch zu reißen, wie es andrerseits genau gearbeitete Texte braucht, die meiner inneren Rhythmik entsprechen, um die Musik in die Sprache zu holen. Erfüllend die Bühnenerfahrung, der nachfolgende Erschöpfungszustand; glücklich und zugleich angefressen, weil die Zeitwahrnehmung durcheinander gerät, beispielsweise eine 45-Minuten-Aufführung vergeht wie in einem Fingerschnippen und überhaupt alles viel zu schnell vorbei ist.

Man erschafft gemeinsam einen Ausnahmezustand: Das Publikum wird nicht eingelullt, nicht von Erinnerungen eingesponnen, keine Spur vom persönlichen Kopffilm, den Rezeption auslösen kann. Vielmehr ergibt man sich der Energie des Menschen auf der Bühne und kreiert gemeinsam neues. Aber wie lässt sich diese Energie definieren?

Oft scheint mir, als wäre der Alltag ein Aufschub, bis man wieder auf der Bühne sprechen und man selbst sein kann. Vielleicht bin ich, wie ich dieses Statement schreibe oder im Zug fahre oder ein Buch lese usw. der Cosplayer jenes Menschen, der auf der Bühne steht. Vielleicht ist das eine Antwort auf die vorige Frage: Diese Energie, die ich im Vortrag manchmal zu entwickeln imstande bin, das bin ich – und ich bin demnach viele, weil eine gelungene Performance in Interaktion mit dem Publikum entsteht. Es ist mein Körper, meine Sprache, die auf Widerstand stoßen, auf die Zuhörer, die Bühnensituation, und in dieser Reibung einen Ausdruck für die Elektrizität finden, die ich in mir spüre, dieses Kribbeln und Ziehen, Zittern und Vibrieren.

Die vorangegangenen Ausführungen können nicht darüber hinwegtäuschen, dass sie ein Provisorium sind: Keine Ausuferung lässt sich planen, nicht jedes Publikum einfangen. Oft ist es abhängig von Ort und/oder Tagesverfassung. Jeder Auftritt ein Sprung ins Ungewisse. Das Sprechen ist für mich als Autor in erster Linie jener Akt, der mich mit dem Text, mit den Zweifeln dahinter versöhnt, durchs Sprechen entdecke ich zwischen und in den Wörtern ein Eigenleben, wie ein Spiegel, der mir ein fremdes Gesicht zeigt. Es ist eine Form von Widerstand a la Hakim Bey, Freiheit im Sinne Eugenio Barbas. Es offeriert die Möglichkeit, ergreifend und laut sprechen zu können, lebendig zu sein, Adrenalin und Glück zu spüren, als Ausblick auf eine Alternative, die sich für die Dauer des Auftrittes zeigt.

Performance bedeutet nicht, nur auf ekstatische Bewusstseinszustände abzuzielen. Als Grundstein sehe ich die Präsenz an: auf der Bühne sein, Raum beanspruchen. Ein Zentrum bilden. (Man muss erzählen können, nicht nur schreiben. Das Publikum trotz schwieriger Situationen, z.B. während Barbetriebs, mit einem Prosatext bei Interesse halten ist eine für sich). Es ist eine Frage der Technik: seitdem ich mit Fabian Faltin am Schlagzeug zusammenarbeite, bietet sich mir allein durch die aufgrund des forcierten “Trainings“ stärker gewordene Stimme mehr Entfaltungsraum. Eugenio Barba bezieht sich in seinen theoretischen Ausführungen zur Präsenzerzeugung und (Bühnen-) Energie auf Kathakali. Die indonesische Tanzkunst ähnelt in den Einzelschritten einem gekonnt gesprochenem Gedicht: durch die Beherrschung der Technik wird Präsenz erzeugt, die wiederum die Einmaligkeit des Auftritts ermöglicht.

Ich weiß, dass ich mich auf meine Stimme verlassen kann. Ich weiß, dass ein gewisses Maß an Nervosität ein gutes Zeichen für einen gelingenden Auftritt ist. Und je sicherer ich mich im eigenen Text bewege, je vertrauter dieser mir ist, umso überzeugender kann ich ihn vortragen – aber was heißt überzeugend? Wen und wieso? Ich will nicht wie ein Schauspieler sprechen. Die Brüchigkeit, die Nervosität meiner Stimme soll bleiben, als Beleg, dass es mir ernst und ehrlich ist. Künstlichkeit, Inszenierung, Improvisation stellen eine Situation her, in welcher der Auftritt in Ekstase kippen kann (aber nicht zwangsläufig muss).

Ich glaube, es mit verschiedenen Aspekten einer Energie zu tun zu haben, die – für mich – in der Literatur steckt, die Literatur ist. Egal ob im Schreiben oder im Sprechen. Und egal, ob geschrieben oder gesprochen: der Versuch, es zu erklären, verliert sich in Ambivalenz. Eine Zwiespältigkeit, die bedeutet: Ich weiß nichts, rein gar nichts. Ich kann nur immer wieder versuchen, durch Auftritte ein wenig mehr davon zu durchblicken.

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Sommergewitter. Rec. 2008, Beat: Karäil

Text findet sich in STROM. AUSUFERNDE PROSA (Klever 2009) auf den Seiten 29 – 33.

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DAS WELTKONVOLUT Fabian Faltin (Drums), Jörg Zemmler (Gitarre, Effektgeräte), Robert Prosser (Stimme)
Drei Livevideos vom Tripledecker Festival, 09. März 2013, Forum Stadtpark, Graz

Auf die Toten (Text: Robert Prosser)

Was es gibt (Text: Jörg Zemmler)

Miniatur 1 (Text: Fabian Faltin und Robert Prosser)

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Unterwegs zu Schlacht oder Liebe Fabian Faltin und Robert Prosser. 21.11.2012 / Porgy & Bess, Wien (Fotos hier)

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Origami für Performances gefertigtes StopMotion-Vid, ua die bäckerei / Innsbruck, und Lockstoff! / Dschungel Wien:

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Silvesterperformance von Faltin und Prosser im DorfTV-Studio (31.12.2012. Linz, Hauptplatz)

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S.P.I.R.I.T.U.S. (S.prachP.unkI.rreparablenR.apI.ndividualT.rashU.rbaneS.oundschieflagen) mit Karäil

BrandalismEP von S.P.I.R.I.T.U.S. (S.prachP.unkI.rreparablenR.apI.ndividualT.rashU.rbaneS.oundschieflagen): Karäil und Robert Prosser.
!Rufzeichen Records 2012

Egal ob gekonnt geflowte Rhymes, geschrien skandierte Protestkaskaden, mystische Naturlyrik oder ekstatisches Liebeslied, S.P.I.R.I.T.U.S. textet so laut als möglich, schrammt haaresbreit am Experimental-HipHop vorbei und sorgt für Riots im Hirn. Kurz geschrieben: Die Zeit ist reif für Utopien – BRANDALISM bietet bereits jetzt den Soundtrack dazu.

Als gratis Download: hier auf Bandcamp

oder als CD im Shop des Labels um 8 € erhältlich.

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S.P.I.R.I.T.U.S. Farbenleere

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Freejazz im Proberaum

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2 Stimmen. Musik: Karäil, Text und Stimme: Robert Prosser