Riots im Gläsernen Käfig: Literatur im Fokus der Bewegung. März 2013

2. Symposium der Reihe Europäischer Frühling: Riots im Gläsernen Käfig.

12. – 13. März 2013
Unsichtbare Ströme, flexible Identitäten: Literatur im Fokus der Bewegung
Internationale Autorentagung im Unabhängigen Literaturhaus Niederösterreich / Krems

Mit:
Monika Kompanikova (SLO), Dorothee Elmiger (CH), Urs Mannhart (CH), Ekaterina Heider (RUS/Ö), Ibrahim Amir (SYR/Ö), Sylwia Chutnik (PL), Fabian Faltin (Ö), Stefan Abermann (Ö).
Konzept und Moderation: Robert Prosser

Programm

12. März 2013
ab 14 Uhr: Diskussion zu Menschenrecht und Asylpolitik
mit Mag. Aga Trnka-Kwiecinski (Departement Migration und Globalisierung, Donau Uni Krems)

ab 20 Uhr: Showrandale Teil I
Lesungen von Sylwia Chutnik, Urs Mannhart, Ekaterina Heider, Stefan Abermann
Live in Concert: Mieze Medusa

13. März 2013
ab 14 Uhr: Diskussion zu Arbeitsmigration und Feindbildern
mit Mag. Dr. Ernst Fürlinger (Departement Migration und Globalisierung, Donau Uni Krems) und Mehmet Fatih Mercan, ehem. Obmann der “Türkisch Islamischen Union für kulturelle und soziale Zusammenarbeit in Österreich” (ATIB)

ab 20 Uhr: Showrandale Teil II
Lesungen von Dorothee Elmiger, Fabian Faltin, Ibrahim Amir, Monika Kompanikova
Live in Concert: Yasmo

Die dazugehörige Anthologie erscheint im Herbst 2013.

Kurzkonzept zum Symposium

Das zweite Symposium der Veranstaltungsreihe „Europäischer Frühling“
möchte sich mit einem Phänomen europäischer Gegenwart beschäftigen,
welches in der Wahrnehmung der Allgemeinheit ein Nischenleben führt
und zugleich auf die Gesellschaft einwirkt. Im Fokus steht die
Beobachtung, dass die europäischen Außengrenzen immer vehementer dicht
gemacht und verteidigt werden (und als Folge eine eigentümlich
weitverbreitete, politisch manipulierte Paranoia vor „dem Fremden“ zu
kursieren beginnt), im Innern der EU aber ein ständiges, oft
verdecktes Wandern passiert. Einerseits sorgt die durch die EU möglich
gewordene Reisefreiheit für eine ungeahnte Mobilität, die auch die
Denk- und Arbeitsweisen gerade der jüngeren AutorInnenschaft formt.
Man ist den Austausch mit andren Kulturen gewohnt und muss, da sich
Kulturräume zunehmend vermischen oder ganz verschwinden, die eigne
Identität hinterfragen und laufend neu konstruieren. Andrerseits
bedeutet Mobilität, dass Ströme entstehen, die von Unterdrückung
hervorgerufen werden, bzw. moderne Formen der Sklaverei bedingen.
Flüchtlinge werden gedemütigt und weggesperrt, egal, ob auf der Saualm
in Österreich oder der italienischen Insel Lampedusa. Die (west-)
europäische Gesellschaft definiert sich durch diese Handlungsweisen,
erschafft sich ein Feindbild und besorgt sich im selben Atemzug
billige Arbeitskräfte aus dem osteuropäischen Raum.

Die Frage des Symposiums ist nun, wie es sich als junge Autorin,
junger Autor auf diese Mechanismen reagieren lässt. Angesprochene
Migrationsströme sind eine Realität der EU, die ein
Gemeinsamkeitsgefühl kreieren will und dennoch nicht auf
Diskriminierungen verzichtet.  Diese Migrationsbewegungen verändern
die Umgebung, in der wir schreiben (mitunter, als kurze
Nebenbemerkung, die für eine Autorin, einen Autor spannend sein kann,
dadurch, dass sie sich auch in der Sprache wiederfinden, wie sich z.B.
in Wien an der insbesondere aus jugoslawischen, bzw. türkischen
Vokabularien Jugendsprache nachvollziehen lässt) und erwecken
insbesondere im Kontext von Religion und Terrorangst die Dämonen des
einst vielzitierten Clash of Civiliciations zu neuem Leben. In dieser
in schwarz/weiß, gut/böse, bekannt/fremd geteilten Ordnung ist es eine
Herausforderung für AutorInnen, der Politikpropaganda zum Trotz genau
hinzuhören und hinzusehen, um die Stimmen und Geschichten anderer
Kulturen wahrzunehmen und der europäischen Oberfläche mithilfe  der
Literatur Tiefenschärfe zu verleihen. (Robert Prosser)