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STROM (Ausufernde Prosa)

128 S., 12,5x19 brosch. Euro 15,90. ISBN 978-3-902665-13-3

ausgezeichnet mit der Autorenprämie 2009 des Bundesministeriums für Unterricht, Kunst und Kultur

Klever Verlag, Wien. September 2009
aus dem Verlagsprospekt:
... mit Robert Prosser darf ich Ihnen einen Vertreter der jüngsten Autorengeneration vorstellen, der in seinem Buchdebüt Strom. Ausufernde Prosa eine rasante, lyrisch-assoziative Sommerfahrt ins - hyperrealistisch - Blaue zwischen Tirol, Berlin und Indien unternimmt. Ein Auslöser für das Schreiben von Robert Prosser war das Verlangen, ein Äquivalent zur Bewegung, zu Graffiti, zu finden – „Graffiti deshalb, da ich mich einige Jahre spraydosenbewehrt austobte und es nach wie vor faszinierend finde, wie ohne Vorwarnung Farbe und Stil dem Betrachter ungefragt ins Auge platzen und ein Stück Individualität inmitten der Außenwelt positionieren, ohne Zeit für Erklärungen zu lassen, ohne Anfang und Ende, wild ausufernd und bloß angetrieben von Abenteuerlust…“ (R. P.)
„Strom“ stellt den Versuch dar, eine derartige Individualität durch Stimm- und Sprachauslotung zu entwickeln, indem sich der Autor an unterschiedlichste Begebenheiten zwischen Großstadt, Tiroler Seitental oder Wildnis des Himalayas heranwagt und diese im schnellen Schritt aufeinander folgen lässt, wodurch sich ein mitreißender Strom und Rhythmus ergibt. Keine durchgehende Geschichte will er erzählen, sondern einen Ausdruck finden fürs chaotische Ausufern der Welt und der Lust, sich darin zu verirren, ohne Zwang eines starren Systems. Der Text funktioniert als Spirale, das letzte Wort bedingt das erste und vice versa und es ist nebensächlich, wohin man lesend den Schritt wendet, solange man bloß getrieben wird …

Die Bildhaftigkeit der Sprache, die Intensität der erzählten Momente, lassen uns das Schwarz von den Federn tropfen sehen und die tränenbefeuchteten Holztreppen im Bauernhaus riechen. Diesen Roman zu lesen ist ein Ganzkörpererlebnis. Ein Ereignis! Prosser gibt eine kleine Einführung in seinen Kosmos, in den Lebensrhythmus seines Ich-Erzählers. Von Indien nach Marokko innerhalb von zwei Seiten - fast innerhalb eines einzigen Satzes. Die Interpunktion des Romans ist sowieso ein eigenes Kapitel. Es gibt Absätze, aber selten enden Sätze, wo ein Absatz aufhört - und demgemäß beginnen selten dort neue Sätze, wo ein neuer Absatz anfängt. Man soll sich nirgends anhalten können, man soll mitmachen, mitschwimmen - mitunter kann man sich auch treiben lassen. Kommt darauf an, wie trainiert man im Bereich der holistischen Lebenserfahrungen ist. Spätestens ab Seite 16 geht es ab! Wer den Autor von Lesebühnen oder Poetry Slams kennt, sieht seine leuchtenden Augen und hört ihn förmlich rufen: "Hey, auf, auf! Los geht's!"(Kathrin Kuna, DUM)

Ein wirklich erstaunlicher und ungewöhnlicher Prosaerstling eines talentierten Jungautors. Robert Prosser legt mit Strom verwirrende und irritierende, ebenso aber beeindruckende Textstücke vor – wahrlich „ausufernde Prosa“, wie der Untertitel vorgibt. Die einzelnen Texte sind ohne wirklichen Anfang und ohne Ende und mit Namen wie Tollwut, Augustgras, Wespenstimme oder Fluchtfakten übertitelt, einzelne Bilder oder Gefühle, die fast wahllos dem Textstrom entnommen sind, wie man sich überhaupt den Text als unbearbeiteten Weltentext, als Marmorblock vorstellen kann, aus dem der Autor einzelne Szenen herausarbeitet. Gefräste Textstücke, die oft ohne Interpunktion auskommen und den Leser doppelt lesen lassen, mit kursiven Hervorhebungen, die dem Leser die Textanalyse vorgeben oder ihn auf eine falsche Fährte locken. (Bernd Schuchter, etcetera)

"Strom" ist ein dicht gewebter, elektrisierter Impressionsteppich, ein Logbuch des Umherschweifens, die (teils kursiv hervorgehobene) Zweckentfremdung fremdliterarischer wie medialer Partikel und geschickte Reorganisation bzw. Re-Implementierung in ein streng heutiges Globale Welt-Soziotop. Der Sogwirkung von Prossers ausufernder Prosa kann man nachgeben und hätte den schmalen "Strom" allzu schnell durchschwommen, der Eindruck dann gliche dem Leeregefühl nach einer selbst involvierten Performance oder einem halluzinogenen Rave. Doch Prossers stilistisch bewegliche Körperlichkeitssprache kann gerade auch zu einer sehr bedächtigen Rezeption mit der "Weisheit einer Lupe" zwingen, am Ende dieses Decodierens mit Lustgewinn steht man bewegt vor den "Gedankenbanlieus" eines großen Talents. Die Autorenprämie des Kulturministeriums für ein besonders gelungenes belletristisches Debüt 2009 war erst der Beginn. (Roland Steiner, literaturhaus.at)

... auf die Gefahr hin, dass das so ganz, ganz genau niemand versteht (die Prosser im Übrigen selbst wissentlich und willentlich eingeht), sei eine berühmte Spex'sche Analogie erlaubt: Rolf Dieter Brinkmann verhält sich zu Josef Winkler auf Acid in etwa wie William S. Burroughs auf Aerosol zu Robert Prosser. Mit anderen Worten: „Strom“ ist wie vier Grad kaltes Wasser – das größte spezifische Gewicht, doch immer noch flüssig. (Martin Fritz, Schreibkraft #19)