Standpunkt: Bühne - zwei Absätze zur Performance

Zum Ausgangspunkt

könnte ich mich als Funken in den Reibungsflächen zwischen Stimme und Text entdecken Abstoßung und Kreisbewegung, wie unterschiedlichste Rhythmen, die da plötzlich ausbrechen, vom Publikum Kopfschütteln Zustimmung Abneigung fordern, und selbst bin ich nicht nur aggressiv oder galoppierend, zu allem Überfluß pflegt in den Angaben zur eigenen Person zu stehen: performanceorientiert, doch bedeutet dies auch nicht mehr als ein Fingerzeigen in sämtliche Richtungen, geradezu orientierungslos hier- wie dorthin weisend und derart planlos ein jedes mal Sessel Mikros Bühnen Gelegenheiten kapernd, dazugehörig die Absprünge aus Musik gezimmert, aus Beats und Vocalsamples, möglichst treibend und tendenziell nach vorne – soviel zur Orientierung, denn mithilfe von Takten wird an der ganzen Reibung weitergewerkt, plötzlich taucht ein andrer Rhythmus auf und es gilt, den Text dran anzupassen, um mich danach umso wilder auf den mir innewohnenden zu stürzen, wobei jede Melodie das Spiel verschönert: Verführung oder Zorn als Maskentanz verstanden, gehört, ein Abstoßen Verlangen nacheinander, bis, etwa in Mitte der Performance, sich diese Pheromonlogik auflöst, nebensächlich wird, denn Laut für Laut nähern wir uns dem wesentlichen Punkt, dem springenden Wortschwall, -kaskaden spülen den Körper aus und weg, die Emotion, die sich am Grund des Schreibens befindet, eben dieser Drang, ist die Performance, durch die nach außen getragene Intensität gerät die Person in Ekstase und Trance, ich bin – im positivsten Sinne – außer mir, und daher darf und muss das Publikum keine Rolle spielen (im Wortsinn wahr) denn, von meiner Uferseite aus gesehen, würde jeder Schritt in dessen Richtung mich zu Sinnen kommen lassen, ich würde gleichzeitig aufwachen, da, um metaphorisch banal zu bleiben, ein Schritt zu viel nicht nur das Wasser spüren lässt sondern auch: die Gegenwart (des Publikums)

würde mir bewusst machen, wie nackt ich bin, denn bin nur Stimme Sprache Text, jedoch, auf der emotional intensiven Ebene gibt’s fern aller Intellektualität keinen Dialog, es gibt nur die ehrliche, kompromisslose Aktion, ein jedes Mal ist es eine Versuchsanordnung: wer kann schon wissen, ob es klappt? ich am allerwenigsten, und hier tritt auch die Bedeutung des Publikums zu Tage, denn wenn die Person, die auf der Bühne steht, grundsätzlich Entertainment verweigert, so braucht eben diese doch den voyeuristischen Blick, insgeheim zumindest, um irgendwohin die Energie zu richten, ein friss-oder-stirb Prinzip, manchmal auch bloße Geilheit auf die Adrenalinausschüttung, selbstverständlich, doch immer ist das gesamte Bühnengeschehen eine Fragestellung, welche von beiden Seiten ausgeht um weiterhin am Ufer stehen zu bleiben wird jede Professionalität vermieden, es ist ein Bachrauschen, das Sprechen die Stimme, und es braucht die Bewegung, ähnlich wie mit einem Manuskript an einen bestimmten Ort zu gehen, und es dort zu verbrennen, im Knistern trägt sich die Last davon, im Rauch den Kopf frei bekommen, zugleich bedeutet das Wissen um den Speicherplatz, dass es sich bei dieser Aktion um ein Ritual handelt, die letzte Grenze wird nicht überschritten, es gilt nur, mich zu beruhigen, eine Art Schlussstrich zu ziehen, derart funktioniert auch die Performance, sich damit nämlich des Textes - der dahinter steckenden Intensität - entledigend Feuer mit Feuer bekämpfend, mit größtmöglicher Emotion auftretend, um gerade dadurch Abstand zum Text und zerstörte Erwartungshaltungen an Lesungen zu gewinnen, zugleich im Wissen um die Rückkehr absolviert, jeder Applaus oder skeptisches Kopfschütteln holt zurück, denn weiter in diese Richtung will ich gar nicht denken