
Knapp über den Palmen jagen Falken durch den Himmel. Bei Einbruch der Nacht, das ist Moses zufolge die wichtigste Regel, verlässt man das Hotel nicht mehr.
Zwischen den Botschaftsarealen und Ministerien, im Labyrinth der Wellblechhütten, streunen Soldaten umher. Sie sind betrunken, gelangweilt und seit Monaten nicht bezahlt worden; außer der Uniform, so Moses, unterscheide sie wenig von den Gangs, die Juba unter sich aufgeteilt haben.
Cash is King, besagt die zweite Regel. Wer Dollar in der Tasche hat, ist im Vorteil. Regel drei, Money talks, fungiert im Südsudan als eine Art Stoßgebet, dem Dollar wird die Macht zugeschrieben, jegliche Schwierigkeiten bereinigen zu können (...)
Reportagen zum Südsudan, erschienen in DIE PRESSE (Wochenendbeilage Spectrum, 30. Mai 2026) und in der Tiroler Straßenzeitung 20er (Ausgabe April 2026)
Der Südsudan ist der jüngste Staat der Welt. Das Öl sorgt für 90 Prozent der Staatseinnahmen und finanziert sowohl die Regierungstruppen als auch die Milizen. Während ein großer Teil der Bevölkerung in Armut lebt, kursieren Milliarden Dollar an Darlehen und Schmiergeld.
