PHANTOME
Roman. Ullstein fünf, August 2017

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Robert Prosser schildert intensiv ein fast vergessenes Kapitel der jüngeren Geschichte: Der Jugoslawienkrieg, der die letzte große innereuropäische Flüchtlingswelle in den 1990ern auslöste, dessen drastische Verbrechen bis heute nicht aufgearbeitet sind und weit in die Generation der Kinder der Geflüchteten nachwirken. Anisa flüchtet 1992 aus Sarajewo nach Wien. In den beginnenden ethnischen Säuberungen hat sie ihren Vater zurückgelassen – und wird ihn nie wiedersehen. Auch von ihrem Freund Jovan, einem bosnischen Serben, der zum Militärdienst eingezogen wurde, konnte sie sich nicht verabschieden. Jahrzehnte später reist Anisas Tochter Sara auf den Spuren ihrer Mutter nach Bosnien-Herzegowina. Zusammen mit ihrem Sprayer-Freund taucht sie ein in eine Region voller Gegensätze, wo jeder Tag gefeiert wird wie der letzte – und die Folgen des Krieges überall spürbar sind. Ein intensiver politischer Roman, der lange nachhallt.


Pressestimmen

… ein äußerst eindringlicher Roman, ein sprachmächtiges Werk von ethnographischer Genauigkeit und Verve, das zusammenhangreiche Einblicke in Geschichten bietet, die unweit von Österreich und denoch in unendlicher Entfernung geschehen sind. (Klaus Zeyringer, in: Literatur und Kritik, November 2017)

… wie Robert Prosser in Phantome Vergangenheit und Zukunft verschränkt und sich auf Spurensuche begibt, das ist ganz großese Kino und unbedingt lesenswert. (Radio Fritz – rbb, 09.11.2017)

… mit seinem emotionalen Buch schafft er einen Balanceakt zwischen Vergangenheit und Gegenwart, zeichnet ein plastisches Bild der damaligen Geschenisse in Bosnien und lässt den Leser tief ergriffen, mit einem wachsenden Bewusstsein für die eigene europäische Geschichte zurück. (Berliner Zeitung, 11.10.17)

Robert Prosser hat mit „Phantome“ einen wichtigen und eminent politischen Roman vorgelegt, der gerade in Zeiten verengter Wahlkampfrhetorik an die katastrophalen Folgen von ethnisch und religiös motivierten Kriegen erinnert. (Falter, 41/2017)

ein ausgesprochen mutiges und bewegendes Buch (..), das kundtut, wie sich eine jüngere Generation mit den Gespenstern der Vergangenheit konfrontiert, ohne sich davon die eigene Zukunft verdüstern zu lassen. Es ist die Kernaufgabe jeder Generation, für die Würde und die Hoffnung zu kämpfen und sich dafür eine rebellische Einstellung zu bewahren. (literaturkritik.de)

…ein immens politischer Roman, über die Überwindung von Fremdheit, das Schweigen zwischen den Generationen, und den dünnen Firniss unserer Zivilisation, der jederzeit reißen kann, wie Prosser am Beispiel der jüngeren Geschichte in Bosnien überzeugend zu zeigen vermag. (Ralph Gerstenberg, mdr Buchvorstellung)

Robert Prosser gehört zu den besten deutschsprachigen Autoren der jüngeren Generation, erst recht mit seinem neuen Roman ‘Phantome… (Angelo Alghieri, literaturhaus.at)

… ein Text, der durch die Kombination aus sprachlicher, inhaltlicher und dramaturgischer Genauigkeit besticht. Ein rasantes und auch brisantes Buch voller Zuversicht und zugleich Grauen. (Katja Gasser, 3sat Kulturzeit, 06. 09. 2017)

Es ist ein zorniger, politischer Roman geworden, den Robert Prosser geschrieben hat, über die großen Verwundungen, über das Halt- und Bodenlose, eben über die Folgen eines kaum aufgearbeiteten Krieges, dessen Verletzungen noch lange nachwirken. Ein starker, kraftvoller Text, der es in diesem Bücherherbst zu Recht auf die Longlist zum Buchpreis geschafft hat. (Deutschlandfunk Buchkritik, 21. 09. 2017)

Es geht um Verletzungen und aufkeimende Hoffnung, Alltägliches, Außerordentliches, Brutales und Berührendes, Geglücktes und grandios Gescheitertes. Dabei sind es zumeist die kleinen Momente, die Prosser interessieren, vermeintliche Nebensächlichkeiten, die er immer wieder zu beeindruckenden und beeindruckend vielsagenden Miniaturen ausgestaltet, in denen sich Schönheit und Schrecken, Zauber und Verzweiflung bisweilen bedrohlich nahe kommen. Kurzum: „Phantome“, ein Roman weniger über Krieg als darüber, was Krieg mit Menschen macht, ist ein ebenso ambitioniertes wie gelungenes Buch. (Tiroler Tageszeitung, 25. 08. 2017)

(..) was groß ist an diesem Autor: So lange es Menschen gibt, die so sehr Anteil nehmen am Schicksal ihrer Mitmenschen, auch wenn dieses Schicksal nicht ihres ist, so lange besteht Hoffnung, dass unsere abgestumpfte Spezies nicht völlig verroht. (Focus, 12.09.2017)

So ist der Roman “Phantome” des jungen österreichischen Autors Robert Prosser, der aktuell auf der “Longlist” für den Deutschen Buchpreis steht, in vielerlei Hinsicht eine Überraschung – thematisch, literarisch und stilistisch. Letzteres, weil Robert Prosser als Autor im Gegensatz zu vielen seiner schreibenden Zeitgenossen für das Negativ der Befindlichkeitsliteratur steht. Statt um sein Ich zu kreisen, den eigenen Lebensentwurf zu verteidigen oder zu optimieren, folgt sein Icherzähler, ein Sprayer-Typ aus Wien, seiner Freundin Sara nach Bosnien, die auf den Spuren ihrer Mutter Anisa das Land bereist. (Berliner Morgenpost, 25. 08. 2017)